{"id":2609,"date":"2025-03-29T15:26:33","date_gmt":"2025-03-29T15:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/attac-bildung-erziehung.de\/?page_id=2609"},"modified":"2025-03-30T10:56:41","modified_gmt":"2025-03-30T10:56:41","slug":"bildung-aktionsfeld-von-attac-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/attac-bildung-erziehung.de\/?page_id=2609","title":{"rendered":"Bildung \u2013 Aktionsfeld von attac"},"content":{"rendered":"\n<h2>1 Bildung als \u00f6konomisch relevantes Politik- und Aktionsfeld<\/h2>\n\n\n\n<p>Unter dem zentralen Motto \u201eEine andere Welt ist m\u00f6glich\u201c bezeichnet sich attac Deutschland mit \u201eKonzentration auf die \u00f6konomischen, international wirksamen Dimensionen der Globalisierung&#8221; als \u201eBildungsbewegung mit Aktionscharakter und Expertise\u201c. Als <strong>unabh\u00e4ngige globalisierungskritische Bildungsinstitution<\/strong> leistet sie Schulungs-, Diskussions- und Informationsarbeit mit dem Ziel einer \u00f6konomischen Alphabetisierung. <\/p>\n\n\n\n<p>Die nachstehenden Ausf\u00fchrungen zeigen auf, welche  gewichtigen Gr\u00fcnde es f\u00fcr attac gibt, \u00fcber diese Formen der Bildungsarbeit hinaus <strong>Bildung<\/strong> &#8211; und damit Bildungswesen, Bildungspolitik, Bildungs\u00f6konomie &#8211; auch als inhaltlichen Gegenstand bzw. <strong>als \u00f6konomisch relevantes, globales Politik- und Aktionsfeld<\/strong> zu thematisieren. Dies ist Gr\u00fcndungsmotiv und Anliegen des seit \u00fcber 15 Jahren bestehenden <strong>Arbeitskreises Bildung und Erziehung (AK:BE)<\/strong> bei <strong>attac K\u00f6ln<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2>2 Die Enteignung der \u00d6ffentlichkeit durch \u00d6konomisierung und Privatisierung der Bildung seit den 90er Jahren<\/h2>\n\n\n\n<p>Seit den 60er, insbesondere den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind neoliberale Netzwerke bestrebt, international den Bildungsbereich als \u00f6konomisch und meinungsbildend relevantes Politikfeld in zutreffender Einsch\u00e4tzung seiner Bedeutung zu besetzen und von Grund auf umzugestalten. \u00dcber ma\u00dfgebliche Beteiligung der OECD und gut organisierte und finanzstarke neoliberale Bildungsnetzwerke (Lobbygruppen, Think Tanks, Stiftungen \u2013 in Deutschland insbesondere die Bertelsmann-Stiftung) nehmen sie seither massiv Einfluss auf die \u00f6ffentliche Bildungsverwaltung und die \u00f6ffentliche Meinungsbildung. Das \u201cWorld Year Book of Education\u201c hat 2016 dieser Entwicklung mit dem Titel \u201cThe Global Education Industry&#8221; Rechnung getragen, Richard M\u00fcnch ver\u00f6ffentlichte dazu \u201eDer bildungsindustrielle Komplex. Schule und Unterricht im Wettbewerbsstaat\u201c (2018 ).<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Strategisch zentral f\u00fcr Deutschland war zu Beginn der 1990er Jahre die von Bertelsmann induzierte Einf\u00fchrung des<strong> <\/strong><a href=\"http:\/\/attac-bildung-erziehung.de\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Durchsetzg_-NPM.pdf\">New Public Managements (NPM)<\/a>, einer radikalen Neuorganisation aller \u00f6ffentlichen Dienste und Institutionen, auch des Gesundheits- und Bildungswesens, unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten. <\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li>\u00dcber Studien, die von Stiftungen, Lobby- und Wirtschaftsunternehmungen in Auftrag gegeben wurden, und anschlie\u00dfender medial unterst\u00fctzter Pr\u00e4sentation der Forschungsergebnisse erfolgte ein kontinuierliches <strong>Agendasetting<\/strong> mit Inszenierung und Forcierung \u00f6ffentlicher und wissenschaftlicher Debatten. Ziel ist dabei eine interessengeleitete neoliberale Beratung und Beeinflussung von Politik, Verwaltung und \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Umgestaltung zun\u00e4chst der sekund\u00e4ren und terti\u00e4ren, mittlerweile aller Bereiche des Bildungswesens einschlie\u00dflich der Kita. Als Beispiele seien genannt <strong>DeSeCo<\/strong> = Definition and Selection of Competencies,  <strong>STARTING STRONG<\/strong> f\u00fcr den Kitabereich, <strong>PISA <\/strong>= Programme for International Student Assessment und <strong>PIAAC<\/strong> = Programme for the International Assessment of Adult Competencies). <\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li>Der europaweite <strong>Bologna-Prozess<\/strong> mit der Umwandlung aller Studieng\u00e4nge in eine zweistufige Bachelor-Master-Struktur, die Etablierung des auch bundesweit \u201emodellhaften\u201c NRW-Hochschul\u201cfreiheits\u201cgesetzes (2007) und das von Bertelsmann mit der Hochschulrektorenkonferenz gegr\u00fcndete \u201e<strong>Centrum f\u00fcr Hochschulentwicklung (CHE)<\/strong>\u201c sind neben den vorgenannten Kampagnen zentrale Wegmarken f\u00fcr die \u00d6konomisierung und Enteignung des \u00f6ffentlichen Bildungssystems in den vergangenen 25 Jahren.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2>3 \u201eDigitalpakt Schule\u201c, \u201eDigitale Bildungsrevolution\u201c und \u201eHomeschooling in Zeiten der Pandemie\u201c \u2013 Die Instrumentalisierung des Bildungswesens zur Sicherung des Wachstums der IT-Wirtschaft und des Wirtschaftsstandortes<\/h2>\n\n\n\n<p>Das beschriebene Dreieck aus Wirtschaftsinteressen, Stiftungen und Politik als weltweit gebr\u00e4uchliches Muster zur Agendasetzung, Steuerung und Kommerzialisierung des Bildungswesens hat seit etwa 2015 die technologische und ideologische Aufr\u00fcstung und Ausrichtung des Bildungswesens auf eine neue Lern\u201ckultur\u201c durch Digitalisierung auch in Deutschland forciert vorangetrieben. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.1 Ein zentrales Projekt dazu ist der \u201eDigitalpakt Schule\u201c <\/strong>zwischen Bund und L\u00e4ndern mit einem Finanzvolumen von 5,5 Mrd., der im M\u00e4rz 2019 mit der Zustimmung des Bundesrates die entscheidende parlamentarische H\u00fcrde genommen hat. Wie es im \u201eStrategiepapier des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung\u201c vom Oktober 2016<strong>* <\/strong>hei\u00dft, soll er \u201edie Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Standorts Deutschland sichern\u201c und \u201edie fl\u00e4chendeckende Anbindung von Bildungseinrichtungen an ein leistungsf\u00e4higes Breitbandnetz verwirklichen\u201c  <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/files\/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf\">https:\/\/www.bmbf.de\/files\/Bildungsoffensive_fuer_die_digitale_Wissensgesellschaft.pdf<\/a> . <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wichtigstes konzeptionelles Element<\/strong> bei dieser neoliberalen Umgestaltung\ndes Bildungswesens ist die <strong>Bedingung der\nStandardisierbarkeit und Messbarkeit aller Lehr-, Lern- und\nOrganisationsprozesse<\/strong> (Vermessungsparadigma) in Verbindung mit der vorherigen\n<strong>Einf\u00fchrung des Kompetenzbegriffs<\/strong>. Bildung,\nbislang charakterisiert als erziehungswissenschaftlich ergebnisoffener Prozess,\nwird neu definiert als das (Er-)Lernen vordefinierter standardisierter Kompetenzen.\nDieses Lernen soll ausschlie\u00dflich so konzipiert und organisiert sein, dass es \u00fcber\nerfassbare und messbare Kompetenzen kontrollierbar und damit plan- und\nsteuerbar ist \u2013 von der Kita bis zur Hochschule und im Erwachsenenalter beim\nlebenslangen berufsbegleitenden Lernen. Das technologische Instrumentarium\nhierzu lieferte die Digitalisierung zun\u00e4chst der Verwaltungs- und Organisationsprozesse\nim Bildungswesen, insbesondere in den Hochschulen. <\/p>\n\n\n\n<p>Parallel und aktuell fortschreitend erfolgte und erfolgt dazu der Versuch der <strong>Digitalisierung der Curriculumerstellung (Bildungsstandards)<\/strong>, der Lehr- und Lernprozesse einschlie\u00dflich der Lernumgebung und der Lernmaterialien und vor allem der Kompetenzmessung \u00fcber die Einschleusung von Hard- und Software in die Bildungsinstitutionen. Favorisiert wird ein kleinschrittiges Abarbeiten vorgegebener Lektionen bei vorgegebenem Material mit Weitergabe aller anfallenden Daten an den privaten Softwareanbieter. Dabei kann potenziell jeder Mausklick und jede Reaktion des Nutzers einschlie\u00dflich des Gesichtsausdrucks und anderer psychophysischer Daten taktil, akustisch, visuell erfasst, in einen von einem Algorithmus erzeugten individuell fortschreitenden Arbeitsplan transformiert und als individuelles, dem Nutzer nicht zug\u00e4ngliches Lernprofil \u00fcber Big Data kommerziell verwertbar gespeichert werden (<strong>Lerntracking<\/strong>, Learning Analytics, vgl. etwa https:\/\/www.knewton.com). Diese als Web- oder E-Learning bezeichneten Angebote der IT-Branche, f\u00fcr eine emotionale Grundierung optional verbunden mit synthetischen Computerstimmen, werden als eigenaktives und individualisiertes Lernen beworben. Sie sind zutreffender als fremdgesteuertes, isoliertes und nicht-kooperatives kognitives Lernen zu kennzeichnen, bei dem Aspekte der personalen Kommunikation und Erziehung, erst recht einer dialogischen Erziehung, vernachl\u00e4ssigt bzw. gar nicht mehr mitgedacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.2 Bertelsmann hat 2015 dazu die \u201eDigitale Bildungsrevolution\u201c (Dr\u00e4ger\/M\u00fcller-Eiselt 2015) ausgerufen,<\/strong> 2016 folgte das <strong>Strategiepapier \u201eBildung in der digitalen Welt\u201c der Kultusministerkonferenz (KMK)<\/strong>. Schon vorher war 2015 im Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) zur Konzipierung und Implementierung des Digitalpakts die <strong>IT-Gipfel-Plattform \u201eDigitalisierung in Bildung und Wissenschaft\u201c <\/strong>gegr\u00fcndet worden. Den Vorsitz \u00fcbernahm dabei die damalige Bundesministerin Johanna Wanka und den Co-Vorsitz August Wilhelm Scheer, Aufsichtsratsvorsitzender und Alleingesellschafter eines privatwirtschaftlichen Beratungs- und Softwareunternehmens, der Scheer Holding GmbH. <a href=\"https:\/\/www.bmbf.de\/de\/digitalisierung-in-bildung-wissenschaft-und-forschung-gestalten-1245.html\">https:\/\/www.bmbf.de\/de\/digitalisierung-in-bildung-wissenschaft-und-forschung-gestalten-1245.html<\/a>. Hier bleiben wie die zitierten Dokumente zeigen keine W\u00fcnsche der IT-Wirtschaft offen<strong>.*<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>*Das \u201eStrategiepapier des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung\u201c vom Oktober 2016 sowie das vorbereitende Konzept- und Implementierungspapier von 2015 (s. 3.1) sind vom BMBF  seit l\u00e4ngerem von der Webseite genommen worden (J. M. Nachtrag v. M\u00e4rz 2025).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.3 Die Vorgehensweise wird von allen politischen und wirtschaftlichen Akteuren als alternativlos dargestellt.<\/strong> Doch schon aus der Aufz\u00e4hlung der Akteure bei diesen drei zentralen Papieren f\u00fcr eine fl\u00e4chendeckende Digitalisierung des gesamten Bildungsbereichs ist die marktradikale Gemengelage der politischen und wirtschaftlichen Interessen ersichtlich. Sie provoziert <strong>eine Reihe von Fragen<\/strong>, nicht zuletzt auch die nach Alternativen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wem n\u00fctzt die Digitalisierung?<\/strong>&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wer sind die Impulsgeber und Beteiligten bei Initiativen, Projekten, Gesetzgebungsverfahren? <\/li><li>Werden Finanzierung und Interessen der Finanziers, Unterst\u00fctzer, Partner transparent erl\u00e4utert und er\u00f6rtert bzw. problematisiert?<\/li><li>Wer hat das Sagen? Wie sind die Mitsprachem\u00f6glichkeiten der Adressaten des Bildungsangebots und der \u00d6ffentlichkeit?<\/li><li>Was geschieht mit den Daten? Wer hat die Kontrolle \u00fcber die Daten und die Verwertungsrechte?<\/li><li>Erst recht stellen sich Fragen in Bezug auf die fachliche Legitimation, Theorie und Praxis der \u201eBildungsrevolution\u201c.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Was genau wird von den Akteuren unter Bildung verstanden?<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<ul><li>Sind Bildung und Erziehungsprozess digitalisierbar (0\/1)?<\/li><li>Verbessert die Dominanz der Digitalisierung Unterricht und Bildungs- und Erziehungsprozesse? Schadet sie gar?<\/li><li>Wie kann ein sinnvoller und von den Nutzern kontrollierbarer Einsatz digitaler Medien im Bildungswesen erfolgen?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3.4 Empirische Befunde<\/strong> wie etwa die der PISA-Studie der<strong> OECD<\/strong> von 2015 (!!)  \u201cStudents, Computers and Learning\u201c (https:\/\/www.oecd-ilibrary.org\/education\/students-computers-and-learning_9789264239555-en) verweisen eher auf eine signifikante Verschlechterung der Sch\u00fclerleistungen bei Dominanz digitaler Lernmaterialien. Stattdessen betonen sie die <strong>Bedeutung guter analoger Unterrichtspraxis und die Vorrangigkeit der Beziehungsebene bzw. der Interaktion <\/strong>zwischen Lehrer*innen und Sch\u00fcler*innen bzw. zwischen den Sch\u00fcler*innen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.5 Erst die Covid19-Pandemie von 2020 <\/strong>hat mit dem bundes-  und weltweiten wirtschaftlichen Lockdown und der tempor\u00e4ren Schlie\u00dfung  aller Kitas, Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen und  die damit verbundene Notwendigkeit des digital gest\u00fctzten Home Office  und <strong>Homeschooling<\/strong> die Entwicklung befeuert. Denn ungeachtet der medialen und politischen Offensive der IT-Wirtschaft, ihrer Lobbygruppen und ihrer h\u00f6rigen Politiker und Medien war der \u201eDigitalpakt Schule\u201c zun\u00e4chst kein Erfolg. Die Mittel wurden von den Schulen nur z\u00f6gerlich und in geringem Umfang abgerufen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.5.1 Nachtrag 1, August 2022<\/strong>. <strong>Bundesrechnungshof fordert Ende des Digitalpakts Schule. Hei\u00dfe Luft und hohe Kosten.<\/strong> Vgl. lankau.de\/2022\/08\/18\/digitalpakt-schule-heisse-luft-und-hohe-kosten\/<\/p>\n\n\n\n<p>Der 2019 gestartete <strong>\u201eBasis-Digitalpakt Schule\u201c<\/strong> f\u00fcr den Ausbau der Infrastruktur in Schulen ist mittlerweile durch Investitionen der L\u00e4nder auf \u00fcber 7 Milliarden Euro aufgestockt, von denen 1,2 Milliarden Euro ausgegeben, laufende Projekte im Umfang von 2,4 Milliarden Euro bewilligt wurden, so das BMBF im M\u00e4rz 2022. \u201eAuch wenn der Digitalpakt Fahrt aufnehme, blieben die Zahlen hinter den Erwartungen zur\u00fcck, eine weitere Beschleunigung sei dringend n\u00f6tig\u201c, so die Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (Pressemeldung No. 16 vom 4. M\u00e4rz 2022).<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; \u201e<strong>Der Bundesrechnungshof<\/strong> widerspricht vehement. In einem Bericht vom August 2022 an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages &#8230; <strong>fordert <\/strong>er stattdessen <strong>das Ende des Digitalpakts Schule<\/strong> . Der Bund sei gar nicht zust\u00e4ndig, &#8230; Die Mittelverteilung in den 16 Bundesl\u00e4ndern w\u00fcrde von insgesamt 38 Beh\u00f6rden und Investitionsbanken verwaltet, die Verfahren seien kleinteilig und intransparent, das Nachweisverfahren l\u00fcckenhaft. <strong>Auch seien weder der p\u00e4dagogische Nutzen noch Lernerfolge ersichtlich.<\/strong> Aufgrund der beschr\u00e4nkten Steuerungs- und Kontrollrechte des BMBF sollten die Finanzhilfen im Rahmen des Pakts eingestellt, auf die Verl\u00e4ngerung des Pakts verzichtet werden\u201c (Hervorhebungen J.M.)<\/p>\n\n\n\n<p>3.5.2 <strong>Nachtrag 2, August 2023. UNESCO-Bericht zu IT in Schulen fordert mehr Bildungsgerechtigkeit. <\/strong>Vgl. lankau.de\/2023\/08\/12\/unesco-bericht-zu-it-in-schulen-fordert-mehr-bildungsgerechtigkeit\/<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie UNESCO hat den Einsatz von Digitaltechnik in Schulen weltweit untersucht und die Ergebnisse mit dem Bericht \u201e2023 Global Education Monitor\u201c vorgelegt (418 Seiten; Zusammenfassung 35 Seiten). <strong>Der Untertitel \u201eTechnologie in der Bildung: Ein Werkzeug zu wessen Nutzen?\u201c verdeutlicht die Fragestellung. Das Ergebnis belegt, dass bei den aktuellen IT-Konzepten f\u00fcr Bildungseinrichtungen nicht das Lernen und der p\u00e4dagogische Nutzen im Mittelpunkt stehen, sondern wirtschaftliche Interessen der IT-Anbieter und Aspekte der Daten\u00f6konomie. <\/strong>Aufgabe des Berichts ist es daher, falsche Versprechen aufzuzeigen und auf Gefahren etwa durch Datenkumulation, Fehlentwicklungen im Einsatz von IT und expandierende Kosten f\u00fcr Bildungseinrichtungen hinzuweisen. Das Ziel ist, den Einsatz von Informationstechnik und K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) an den Bed\u00fcrfnissen der und zum Nutzen von Lernenden auszurichten statt an Partikularinteressen der IT-Wirtschaft und einzelner Medienanbiete &#8230;\u201c (Hervorhebungen J.M.) .<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.5.3 Nachtrag 3, M\u00e4rz 2025. Aufruf Humane und emanzipierende Bildungspolitik vs. digitale Transformation. <\/strong>Vgl. https:\/\/lankau.de\/2025\/03\/11\/aufruf-humane-und-emanzipierende-bildungspolitik-vs-digitale-transformation\/<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Der Bildungsnotstand in Deutschland vertieft sich. Mindeststandards in Lesen, Rechnen, Schreiben und Sprachkompetenz werden immer weniger erreicht. Heute stellt die Erziehungswissenschaft fest: Die Digitalisierung ist nicht die L\u00f6sung, sondern ein zentrales Problem. Schon Kleinkinder beherrschen zwar die Bedienung von Touchscreens, geraten aber dabei in die Abh\u00e4ngigkeit der Tech-Konzerne. Kinder und Jugendliche leben in TikTok-Parallelwelten und werden in Filterblasen indoktriniert. Immer mehr sind gefangen im Netz. Die psychische und k\u00f6rperliche Gesundheit unserer Kinder leidet, das Bildungsniveau sinkt, das demokratische Bewusstsein erodiert. So hilfreich Digitaltechnik in vielen Lebensbereichen sein kann, so kritisch muss sie beim Einsatz in Bildungseinrichtungen reflektiert werden. Gefordert sind politische Entscheidungen f\u00fcr eine an den Bed\u00fcrfnissen des Menschen orientierte Bildungspolitik<a href=\"https:\/\/lankau.de\/2025\/03\/11\/aufruf-humane-und-emanzipierende-bildungspolitik-vs-digitale-transformation\/\">&#8220;. [Weiterlesen&#8230;]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Diese drei Nachtr\u00e4ge <\/strong>best\u00e4tigen die Berechtigung der oben aufgef\u00fchrten Fragen, <strong>vgl. 3.3. <\/strong>Sie  werden allerdings weiterhin nicht gestellt, es gibt weiterhin keine nennenswerte inhaltlich-p\u00e4dagogische \u00f6ffentliche Auseinandersetzung dazu. Doch allenthalben t\u00f6nt es, dass Bildung und Bildungssystem nur durch die Digitalisierung zu retten sei. Hierf\u00fcr seien alle Mittel und Anstrengungen zu konzentrieren. Die Schulschlie\u00dfungen h\u00e4tten gezeigt, dass die unzureichende technologische Infrastruktur und Ausstattung verbunden mit der fehlenden Nutzungsbereitschaft und Nutzerkompetenz der Lehrerschaft den individuellen Bildungserfolg und die gesellschaftliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit gef\u00e4hrden und <strong>die<\/strong> Achillesferse des deutschen Bildungssystems darstellten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3.6. Die eigentlichen und grundlegenden und zentralen M\u00e4ngel des Bildungswesens<\/strong>, die allein mit einer Digitalisierung im Bildungswesen nicht behoben werden k\u00f6nnen, vor allem nicht mit einer vordringlich technologischen Aufr\u00fcstung, <strong>bleiben unerw\u00e4hnt<\/strong> und werden weiterhin vor der \u00d6ffentlichkeit <strong>verschleiert<\/strong> und von der Agenda <strong>verdr\u00e4ngt<\/strong>:&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<ul><li>die soziale\nSchieflage, der zunehmende einseitige Leistungsdruck sowie vielf\u00e4ltig wirkende\nund mit \u201eBegabungs\u201cmythen verschleierte Selektionsmechanismen, <\/li><li>die\nmassive Unterfinanzierung, Privatisierung und Entdemokratisierung der\n\u00f6ffentlichen Bildungseinrichtungen durch die neoliberale Umverteilungspolitik, <\/li><li>die Entdemokratisierung der Hochschulen,\ndie als \u201eunternehmerische\u201c Hochschulen nicht mehr vorrangig der wissenschaftlichen\nQualit\u00e4t von Forschung und Lehre, gesellschaftlicher Verantwortung und\nGemeinwohlorientierung verpflichtet sind, sondern betriebswirtschaftlichen und\nwettbewerbsbezogenen Aspekten &#8211; bei Entmachtung universit\u00e4rer\nMitbestimmungsorgane und Prekarisierung der Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse gro\u00dfer\nTeile der Hochschulangestellten, <\/li><li>die Beibehaltung\nder Mehrgliedrigkeit des Schulsystems mit gymnasialen Bildungsprivilegien und ausgrenzendem\nF\u00f6rderschulwesen bei Verweigerung einer seitens der UN rechtlich und fachlich\ngeforderten organisatorischen, p\u00e4dagogischen und finanziellen Transformation\ndes Bildungswesens in ein inklusives Bildungssystem<\/li><li>u.a.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>3.7 Stattdessen beklagen Global Player wie Bertelsmann<\/strong>, die mit der Durchsetzung des New Public Managment f\u00fcr die Unterfinanzierung des Bildungswesens (und u.a. auch des Gesundheitswesens) wesentlich verantwortlich sind, in Pandemiezeiten die unzureichende Finanzierung und Ausstattung des Bildungswesens und rufen nach mehr Staat. Die FDP sorgt sich um die fehlende \u201eBildungsgerechtigkeit\u201c, die vor allem durch die Ungleichheit der Ausstattung der Sch\u00fcler mit Tablets, Smartphones u.a. hervorgerufen werde und nun durch entsprechende Eink\u00e4ufe &#8211; bzw. die \u201eTransformation\u201c \u00f6ffentlicher Gelder in privatisierte Profite der IT-Wirtschaft &#8211; hergestellt werden m\u00f6ge. \u201eEin Schelm, wer B\u00f6ses dabei denkt\u201c. Die angek\u00fcndigte Anschaffung von Dienstlaptops f\u00fcr 800.000 Lehrer*innen ist eine weitere St\u00fctze dieses Transformationsprozesses, der mit den entsprechenden Folge-, Wartungs- und Aktualisierungskosten auf lange Zeit den gr\u00f6\u00dften Teil der Bildungsetats verbrauchen und wenig Raum f\u00fcr Lehrereinstellungen, Schulneubauten und \u00e4hnlichen Nebens\u00e4chlichkeiten der Bildungsplanung lassen wird. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2>4 \u201cGegenfeuer\u201d: Einmischung und Vernetzung<\/h2>\n\n\n\n<p>Die kapitalistische neoliberale Transformation von Gesellschaft und Bildung hat mit der Digitalisierung als technologisches, meinungsbildendes und vor allem auch werte- und kulturver\u00e4nderndes Vehikel eine versch\u00e4rfte Entwicklung genommen, die mit den politischen und \u00f6konomischen Begleiterscheinungen der 2020 begonnenen  Pandemie noch einmal beschleunigt wurde. Eine erfolgreich zu nennende demokratisch-politische Gegenwehr zur beschriebenen umfassenden neoliberalen Agenda gab und gibt es bisher immer nur partiell. Parteien und Politiker sind vielfach Partner oder Helfershelfer wirtschaftlicher Interessenvertreter oder denken in Wahlzyklen, wobei dies durch Entwicklung und exponentiell zunehmenden Einfluss von &#8220;social media&#8221;  noch verst\u00e4rkt wird. Die Gewerkschaften kooperierten h\u00e4ufig mit den beschriebenen Akteuren (Bertelsmann) und sind eingebunden in partikulare Mitgliederinteressen, die Hochschulen in (neoliberal erzeugte) Abh\u00e4ngigkeiten von privaten Drittmitteln. <\/p>\n\n\n\n<p> Doch es gibt konzeptionelle und politische Gegenentw\u00fcrfe des &#8220;Gegenfeuers&#8221; (Pierre Bourdieu 1998), &#8220;Wortmeldungen des Widerstands gegen die Invasion des Neoliberalismus&#8221;. Die meist unabh\u00e4ngigen Initiativen agieren  allerdings oft unverbunden und mit nur bedingt einflussreichem politischen, medialen und finanziellen R\u00fcckhalt. Dem beschriebenen Selbstverst\u00e4ndnis entsprechend sieht der <strong>Arbeitskreis Bildung und Erziehung bei attac K\u00f6ln<\/strong> seine Aufgabe darin, die \u00d6konomisierung und Privatisierung des Bildungssystems offen zu legen, zu skandalisieren und \u2013 m\u00f6glichst gemeinsam mit weiteren B\u00fcndnispartnern &#8211; Projekte und Veranstaltungen der Gegenaufkl\u00e4rung durchzuf\u00fchren, die auf ein demokratisch legitimiertes und verfasstes Bildungswesen zielen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Denn, so hat es der Journalist Stephan Hebel in seiner Rede zu <a href=\"https:\/\/www.attac.de\/20-jahre-attac\/reden\/stephan-hebel\/?L=4\">&#8217;20 Jahre Attac&#8217; <\/a>auf den Punkt gebracht, &#8220;jede Bresche, die in den herrschenden Diskurs geschlagen wird, hat ihren Sinn \u2026 Jeder durch geduldiges K\u00e4mpfen eroberte und verteidigte Raum f\u00fcr Alternativen, und sei es auch nur ein Denkraum, bietet die M\u00f6glichkeit der Ermutigung f\u00fcr die vielen anderen, die dem krisentr\u00e4chtigen &#8216;Weiter so&#8217; Alternativen abringen wollen.&#8221;  <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oktober 2020<\/strong>, Nachtr\u00e4ge unter 3.5, 2022-2025<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Projekte, Aktionen und Veranstaltungen<\/strong> aus den letzten Jahren sind <strong><a href=\"http:\/\/attac-bildung-erziehung.de\/?page_id=2526\">hier<\/a><a href=\"http:\/\/attac-bildung-erziehung.de\/?page_id=1228\"> <\/a><\/strong>skizziert.<strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Oswald Pannes: <a href=\"mailto:OswaldPannes@gmx.de\">OswaldPannes@gmx.de<\/a>  <\/p>\n\n\n\n<p>Dr. J\u00fcrgen M\u00fcnch: <a href=\"mailto:jmuenchkoeln@t-online.de\">jmuenchkoeln@t-online.de <\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Bildung als \u00f6konomisch relevantes Politik- und Aktionsfeld Unter dem zentralen Motto \u201eEine andere Welt ist m\u00f6glich\u201c bezeichnet sich attac Deutschland mit \u201eKonzentration auf die \u00f6konomischen, international wirksamen Dimensionen der Globalisierung&#8221; als \u201eBildungsbewegung mit Aktionscharakter und Expertise\u201c. 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