Termine und Veranstaltungen

Die regelmäßigen Treffen

… des AK Bildung & Erziehung finden

am 2. und 4. Mittwoch im Monat statt*,

und zwar um 20 Uhr in Raum 5 im Steigeturm

der Alten Feuerwache Köln,  Melchiorstraße 3

*außer in den Schulferien

Aktuell treffen wir uns bis auf Weiteres virtuell und – wenn es wieder möglich ist – wie bislang zu den Bedingungen des jeweils aktuellen Corona-Schutzkonzeptes der Alten Feuerwache Köln

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Das nächste reguläre Teffen findet voraussichtlich nach den Sommerferien statt,

und zwar am 25.08.2021.

Näheres über Kontakt

Oswald Pannes – OswaldPannes@gmx.de

Dr. Jürgen Münch – jmuenchkoeln@t-online.de


ZWISCHENRUF:

Schade, dass Kinder keine Flugzeuge sind!

26. Februar 2021

Während der Lufthansa sofort Milliarden an Subventionen zugeschoben wurden für Flugzeuge, die am Boden bleiben, warten in Coronazeiten Kinder vergebens auf die Gelder für den Ausbau der Schulen, für coronagerechte Austattung wie Lüftungsgeräte, weitere Lehr- und Betreuungskräfte, für die Anmietung von zusätzlichen Unterbringungsmöglichkeiten. Stattdessen pries der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Ende Januar, fast ein Jahr nach Beginn der Pandemie in Deutschland, vor laufender Kamera als einziges Resultat der Beratungen das „Konzept“ der Lüftung, eine Maßnahme die kein Geld kostet, wenn nur das Öffnen der Klassenfenster gemeint sein sollte.

Mittlerweile ist viel Zeit vergangen, und nach wie vor sind viele Fragen offen. Zwar sind in der letzten Februarwoche in den meisten Bundesländern die Schulen für einen Teil der Schüler*innen wieder geöffnet worden, zumindest bis auf Weiteres, doch unter welchen Bedingungen und mit welchen Unterrichtskonzepten? Distanz? Präsenz? Hybrid? Wo bleiben Begleitforschungen zu diesen Unterrichtsformen? Wo bleiben Begleitforschungen zu Infektionen, Übertragungswegen und infektionsvermeidender Ausstattung in Schulen und Kitas ? Wo bleiben Konzepte umfassender präventiver Testung in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen? …

Und was müsste und könnte sofort geschehen, damit unter Pandemiebedingungen sinnvoll Unterricht stattfindet – und zwar nicht auf Kosten der Lehrkräfte? Es müsste sicher sehr viel Geld in die Hand genommen werden, wie es ja bei der Lufthansa sehr schnell möglich war. Übrigens auch bei der Firma Adidas, die bereits angekündigt hat, wieder Dividenden auzuschütten. Klassen müssten geteilt werden, und zwar im Präsenzunterricht. Dazu könnten private und öffentliche Räume angemietet werden. Für die Kinder, die nicht unterrichtet werden, könnte Still- und Gruppenarbeit unter Betreuung von bezahlten Studierenden, die jetzt keine Nebenjobs mehr haben, stattfinden. Wahrscheinlich lassen sich mit einigem Nachdenken noch viele Möglichkeiten entwickeln. Dazu bräuchte es Geld, Wille, Mühe und Phantasie!

Doch die Planlosigkeit der Bildungspolitiker ist nicht einfach eine Regierungsschwäche in einer für alle neuen Situation, sondern ein systemisches Versagen der neoliberalen Agenda. Wie im Gesundheitswesen, das durch Privatisierung kaputtgespart wurde (glücklicherweise nicht in dem Maße, wie die Bertelsmann-Stiftung es anvisiert und propagiert), ist auch die Staatsquote für das Bildungssystem gesunken. Denn, so der Tenor der herrschenden Austeritätsdoktrin: Irgendwo müssen ja die Steuersenkungen und Subventionen für die großen Unternehmen eingespart werden – am liebsten aber doch, wie gehabt, im Bildungs- und Sozialsystem.

So bleiben die Klassengrößen – zumindest in der Primarstufe und Sekundarstufe 1 – weiterhin überhöht. Viele Schulen sind marode, Frontalunterricht ist – außer an Gesamtschulen – gang und gäbe, Behebung von Lernproblemen wird weitgehend von den Eltern privat erwartet – an dem mehrgliedrigen Schulsystem mit der heiligen Kuh Gymnasium wird nicht gerüttelt. Das alles ist seit Jahrzehnten bekannt. Empirisch nachgewiesen ist die hohe Selektivität des deutschen Bildungssystems, in dem Kinder von nichtakademischen und schwächer gestellten Eltern wenig Chancen haben, das Abitur zu erlangen – auch nicht bei vergleichbaren Leistungen. Mit dem bisher durchgeführten Distanzunterricht wird sich diese Benachteiligung vieler Kinder noch verschärfen. Selbst wenn eine entsprechende digitale Ausstattung zu Hause vorhanden sein sollte, ist – so alle Erfahrungen der bisherigen Lockdowns – eine notwendige qualifizierte Hilfe auch für Eltern mit akademischem Hintergrund oft nur schwer zu gewährleisten.

Doch „Digitalisierung ist kein pädagogisches Konzept“ (vgl. http://lankau.de/2020/12/10/digitalisierung-ist-kein- paedagogisches-konzept-2/), wie mittlerweile ausreichend wissenschaftlich belegt und in der Praxis des Lockdown von Schüler*innen , Lehrer*innen und Eltern leidvoll erlebt worden ist. Digitaltechnik ist und bleibt ein – mögliches – Hilfsmittel für Unterricht. Sie ist nicht entscheidend für Lernerfolge und Bildungsprozesse. Für Lern- und Verstehensprozesse, für die Entwicklung von selbständigen Persönlichkeiten, sind direkte Beziehungen zwischen Lernenden und Lehrenden, die soziale Interaktion in den Klassen und Kursen unabdingbar. Und so gilt auch in Coronazeiten: “Kein Mensch lernt digital” (Ralf Lankau). Schließlich sind Schulen dringend erforderliche Orte des sozialen Austausches und Miteinanders, auf den gerade auch Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten angewiesen sind.

Es steht dringend eine kritische Diskussion an: Was verstehen wir unter „Bildung“? Wie ist die Forschungslage zu den Effekten digitaler Bildung in Schule und Unterricht? Mit welchen Zielen und wie soll Bildung unter den Bedingungen der Digitalisierung gestaltet werden? Verbessert die Dominanz der Digitalisierung Unterricht und Bildungs- und Erziehungsprozesse? Schadet sie gar? Wie kann ein sinnvoller und von den Nutzern kontrollierbarer Einsatz digitaler Medien im Bildungswesen erfolgen?

Was wirklich nottut! Die gravierenden Versäumisse der letzten Jahrzehnte fallen den Schulministerien in allen Bundesländern, aber besonders auch in NRW, auf die Füße. Nach wie vor stehen die uneingelösten Forderungen aus der Zeit vor Corona auf der Tagesordnung – also kleine Klassen, bessere Ausstattung sowie Ausbau der Schulgebäude einschließlich der Sanierung der Schultoiletten, mehr Lehr- und Betreungskräfte, die Umsetzung der vorhandenen Konzepte des kooperativen Lernens. Mit der viel gepriesenen, vorwiegend technologisch orientierten Digitalisierung wird es bei weitem nicht getan sein.

Nicht weiter verschleiert und von der Agenda verdrängt werden dürfen die eigentlichen und grundlegenden Mängel des Bildungswesens:

– die soziale Schieflage, der zunehmende einseitige Leistungsdruck sowie vielfältig wirkende und mit „Begabungs“mythen verschleierte Selektionsmechanismen, „Die Grundschule von der Auslesefunktion befreien“ (https://bildungsklick.de/schule/detail/die-grundschule-von-der-auslesefunktion-befreien)

– die unangetastet bleibende Mehrgliedrigkeit des selektiven Schulsystems mit seinen weltweit längst überholten gymnasialen Bildungsprivilegien

– das ausgrenzende Förderschulwesen mit der Verweigerung der seitens der UN rechtlich und fachlich geforderten organisatorischen, pädagogischen und finanziellen Transformation des Schulwesens in ein inklusives Bildungssystem (vgl. bspw. Brigitte Schumann, „Der inakzeptable Umgang der Bildungswissenschaft mit der Schulstruktur“ (https://bildungsklick.de/hochschule-und- forschung/detail/der-inakzeptable-umgang-der-bildungswissenschaft-mit-der-schulstruktur )

– vor allem aber die massive Unterfinanzierung, Privatisierung und Entdemokratisierung der öffentlichen Bildungseinrichtungen durch die neoliberale Umverteilungspolitik.

Monika Domke – Lehrerin am Zweiten Bildungsweg i.R. / Britta Klostermann – Gesamtschullehrerin

Aktuelles Arbeitsthema 1: Rassismus (siehe oben)

Aktuelles Arbeitsthema 2: Digital first – Denken second?

Zu Politik, Ökonomie und Zielen der Digitalisierung im Bildungswesen

Weitere aktuelle Beiträge zum Thema:

Welche Bildung wollen wir unter den Bedingungen von Digitalisierung und Pandemie?

Der Laptop lehrt nichts!

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Bisherige Projekte, Aktionen und Veranstaltungen (Auswahl)

2020 Workshop Kapitalismus – oder was?
Einführung in Bildungsmaterialien von attac. Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Bundesbüro attac Deutschland, dem Studierendenausschuss der Vollversammlung und der Fachschaft Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät, Universität zu Köln. Flyer

2019 AK:BE-Rundbrief 31: Inklusion – ein verweigertes Menschenrecht
Texte zur UN-Behindertenrechtskonvention aus 10 Jahren sollen die Entwicklung der Inklusion in Deutschland nach Ratifizierung der UN-BRK nachvollziehbar machen – und Motivation zu aktiver Stellungnahme gegen die Tendenzen zur faktischen Zerschlagung der Inklusion in Deutschland wecken. Rundbrief

2019 Zum Erhalt der Zivilklausel im Hochschulgesetz
Erneute Unterstützung eines Aktionsbündnisses an der Uni Köln u.a. gegen die rückwärtsgewandte Gesetzesnovellierung der CDU/FDP-Landesregierung NRW, u. a. mit einem Beitrag in der Broschüre des Aktionsbündnisses. Flyer. Broschüre

2016 Die feindliche Übernahme des Bildungswesens 1993-2016
Kölner attac-Plenum. Eine Geschichte vom globalen Denken und lokalen Handeln der OECD, EU, der BertelsmannStiftung und anderer neoliberalen Lobbygruppen in Deutschland und von Möglichkeiten der Gegenwehr. Poster

2014 Das Hochschulzukunftsgesetz (HZG) in NRW – Abkehr von der unternehmerischen Hochschule?
Hat das Hochschulzukunftsgesetz (HZG) das Potential zur Demokratisierung von Unis und FHs? Veranstaltung, Aktionen und Offener Brief gegen die Konzeption einer „unternehmerischen Hochschule“ in Kooperation u.a. mit dem AK Zivilklausel der Uni Köln, den GEW Studis NRW, dem Bund demokratischer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen (BdWi). Januar-Flyer. Mai-Flyer. Offener Brief

2013 Bildung in Deutschland: feindlich übernommen – (K)ein Thema für attac? Der Politische Samstag des AK:BE zur Skandalisierung von Bildungspolitik und Bildungsalltag mit einem Einführungsvortrag und vier parallelen Diskussionsforen und drei Pausen. Flyer

2012 bis heute Konzipierung und Vertretung des Projekts Gesamtschule und Inklusive Bildungslandschaft für die Parkstadt Süd
Mitinitiierung und Gründung eines „Bürgernetzwerks zur südlichen Innenstadterweiterung (BÜSIE)“ mit zehn Initiativen zur Planung des neuen Stadtteils Parkstadt Süd. U.a. wurde verhindert, dass der Neubau eines Justizzentrums den zukünftig erweiterten Grüngürtel blockiert und erreicht, dass im Stadtteil als weiterführende Schule eine Gesamtschule vorgesehen ist. Aktuell ist ein Planungsbeirat für die Stadtteilentwicklung unter Bürgerbeteiligung eingerichtet worden, in dem auch BÜSIE vertreten sein wird (Beschluss des Kölner Stadtentwickungsausschusses vom Februar 2019). Ur-Flyer 2012. Gründungs-Flyer Büsie 2013. GESCHAFFT!-Foto 2014

2012 Bertelsmänner an die Tafeln? Lehrerbildung im Griff „sanfter“ Steuerungsmechanismen. Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur Kooperation der rot- grünen Landesregierung mit Bertelsmann in der Lehrerbildung. Flyer

2011 Gesamtschule – Gemeinschaftsschule: Wege zum gemeinsamen Lernen? Auftaktveranstaltung zur Kampagne „Neue Gesamtschulen für Köln“ und zur Gründung der nach wie vor aktiven „Initiative: mehr Gesamtschulen in Köln (i:mgik)“ in Kooperation mit der Partei „Die Linke“. Flyer

2010 Bildungstribunal Köln
Informations- und Protestveranstaltung gegen die Verkrustung eines ausgrenzenden Bildungswesens für eine öffentlich und ausreichend finanzierte, chancengleiche, inklusive und demokratische Bildung in Kitas, Schulen und Hochschulen. Veranstaltung mit über 150 Teilnehmer*innen zur Vernetzung regionaler Bildungsinitiativen in Kooperation mit dem Friedenbildungswerk Köln. Flyer

2009 Bildung in Deutschland – Ansprüche und Wirklichkeit

Gemeinsame Frühjahrstagung des attac AK:BE mit dem Friedensbildungswerk Köln im Bürgerhaus Stollwerk mit Beiträgen von Karl-Heinz Heinemann, Prof. Anne Ratzki, Dr. Wolfgang LIeb und Prof. Dr. Clemens Knobloch u.a. Flyer

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