Jahr 2011

Schulfrieden? – Grabesruhe! (2011)

Oswald Pannes, Pressemeldung zum “Schulpolitischen Konsens für Nordrhein-Westfalen”, 20.7.2011

Quer durch die Republik, von “Welt” bis “Süddeutsche” jubeln die Medien über den “Schulfrieden”, der in NRW mit der Einführung der Sekundarschule nun endlich erreicht sei.
Was aber ist wirklich passiert? Als Gegenleistung für – im internationalen Vergleich gesehen – geringfügige Fortschritte in der Schulstrukturfrage hat sich die rot-grüne NRW-Regierungskoalition bereitwillig dazu hergegeben, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammende und außerhalb Deutschlands weltweit längst überwundene Vielgliedrigkeit des Schulwesens für die nächsten 12 Jahre nicht nur beizubehalten, sondern auch noch mit Verfassungsrang abzusichern.
Durchgesetzt haben sich damit die – vor allem in der CDU – landesweit starken Kräfte, die Selektion an den Schulen als “chancengerecht” deklarieren und es offenbar völlig korrekt finden, dass das gegliederte Schulsystem Jahr für Jahr etwa 70.000 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss und damit zu großen Anteilen in die Perspektivlosigkeit entlässt. Angesichts dieses Versagens der schulischen Vielgliedrigkeit müsste es nun endlich um konsequent gemeinsames Lernen und um intensive individuelle Förderung gehen.
Die bescheidenen Verbesserungen durch die Einführung der Sekundarschule helfen da kaum weiter – vor allem nicht vor dem Hintergrund der weiterhin vielfach gegliederten Schulumgebung, die den Zugang zum Abitur immer noch in hohem Maße nur durch die Filter sozialer Auslese ermöglicht.
So wurden nun mit dem vielbejubelten “Schulfrieden” die Hoffnungen, die sich angesichts internationaler Schulentwicklung und -erfolge sowie auch der ernsthaften Diskussionen und Empfehlungen der NRW-Bildungskonferenz einstellten, nicht nur massiv enttäuscht, sondern geradezu verfassungsrechtlich beerdigt.

In einem Dossier Schulkonsens haben wir Texte zum “Schulfrieden” in NRW zusammengestellt.

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Bildung in Zeiten des Wachstums (2011)

Workshop des AK Bildung & Erziehung, attac-Köln im Rahmen des attac-Kongresses “Jenseits des Wachstums?!” – TH Berlin 20. –  22. Mai 2011


i:mgik – Initiative: Mehr Gesamtschulen in Köln

… ist eine “Tochter” des AK:BE und des AK Jugend und Schule der Kölner Linken. Sie entstand im Mai 2011. Damals besannen sich die Kölner Schulverwaltung und die Ratsparteien der Tatsache, dass seit den 1980ern über 30 Jahre hinaus in der Stadt keine weiteren Gesamtschulen eingerichtet worden waren. Man gestand ein, dass inzwischen ein großer Elterndruck entstanden worden war und dass jährlich 600 – 900 Schülerinnen und Schüler bei den zu wenigen Kölner Gesamtschulen abgewiesen wurden.

Zugleich aber wurde deutlich, dass trotz dieser Erkenntnisse kein wirklich bedarfsgerechtes Engagement zur Einrichtung neuer Gesamtschulen in Köln bestand. Die einzige damals tatsächlich neue Gesamtschule war die Gesamtschule Nippes, die aber auch nur durch den energischen Druck der dortigen Elternschaft initiiert werden konnte.

In dieser Phase konnte die i:mgik mit Überzeugungsarbeit in Schulen und bei Eltern, vielfältigen schulpolitischen Akivitäten und intensiver Öffentlichkeitsarbeit dazu beitragen, dass ein deutlicherer Druck für die Ausweitung des Kölner Gesamtschulnetzes entstand. In der Folge ging die Schulverwaltung allmählich dazu über, Möglichkeiten für die Einrichtung neuer Gesamtschulen zu ermitteln und in einigen Fällen tatsächlich zu realisieren. Trotzdem blieb es im Wesentlichen dabei, dass das haupsächliche Engagement in der Schulentwicklung auf die Gymnasien bezogen war. Nennenswerte Zuwächse an Gesamtschulen resultierten zudem aus Zügigkeitserweiterungen bestehender Gesamtschulen. 

Trotz dieser Erweiterungen bleib es aufgrund ständig weiter ansteigender Gesamtschulanmeldungen auch weiterhin bei den jährlichen eklatanten Abweisungen von an den Gesamtschulen angewiesenen Kindern. Sie sind sogar noch höher geworden und pendeln sich in den letzten Jahren – 2019/2020 – bei 1000 ein.

Das energische Engagement für die Einrichtung neuer Gesamtschulen in Köln ist aber nach wie vor notwendig. Allerdings ist mit den aktuellen langfristig angelegten Beschlüssen der Schulverwaltung und ihrer Absegnung im Rat eine deutlicherer Ausweitung der Gesamtschulzahlen in Absicht gestellt. Aber auch bei Realisierung dieser Planungen wären die künftigen Bedarfe nicht zu decken. Zudem stehen einige der vorgesehenen Schulprojekte ohnehin noch unter dem Vorbehalt teilweise fraglicher erforderlicher Grundstückskäufe.

Die i:mgik ist also weiterhin gefragt!                          

O.P.