Der AK:BE
- ist einer der lokalen Arbeitskreise bei attac Köln
- arbeitet seit über 15 Jahren für eine allgemeine, allen zugängliche, chancengleiche und von Selbstbestimmung, demokratischer Teilhabe und Solidarität getragenen und dazu befähigenden Bildung
- mobilisiert gegen die massive Unterfinanzierung, Privatisierung und Entdemokratisierung und Enteignung der öffentlichen Bildungseinrichtungen durch die neoliberale Umverteilungspolitik
- wie sie sich in der „unternehmerischen“ Hochschule zeigt, die nicht mehr vorrangig der Unabhängigkeit und Qualität von Forschung und Lehre, gesellschaftlicher Verantwortung und Gemeinwohlorientierung verpflichtet ist, sondern einer ökonomischen und wettbewerbsbezogenen Logik – bei Entmachtung universitärer Mitbestimmungsorgane und Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse
- übt offensiv Kritik an der sozialen Schieflage, am zunehmenden Leistungsdruck sowie an vielfältig wirkenden und mit „Begabungs“mythen verschleierten Selektionsmechanismen des Schulsystems in Deutschland
- fordert, die bereits 2009 von Bundesrat und Bundestag rechtswirksam ratifizierte UN- Behindertenrechtskonvention umzusetzen und die organisatorische, pädagogische und finanzielle Transformation des Bildungswesens in ein inklusives Bildungssystem nicht länger zu verweigern
- appelliert an eine Schule für alle – und damit die Abkehr von der Mehrgliedrigkeit des Bildungssystems mit gymnasialen Bildungsprivilegien und ausgrenzenden und benachteiligenden Förderschulen
- hat zusammen mit mehreren Kölner Organisationen die „Initiative: Mehr Gesamtschulen in Köln“, kurz: i:mgik, gegründet und mischt sich dort ein in die gymnasiumslastige Kölner Schulentwicklungspolitik
- bietet eine Plattform für die Artikulation und Zusammenarbeit von Initiativen und Einzelpersonen
- strebt regional und bundesweit eine Vernetzung bildungspolitisch engagierter Gruppen und Initiativen an
- diskutiert und dokumentiert die aktuelle bildungspolitische Entwicklung und gibt dazu seit 2008 den informativen und engagierten AK:BE-Rundbrief heraus
Zur Belebung der demokratischen Erinnerungskultur
Oder: Warum diese Website?
Um zu einer politischen Einschätzung der neoliberalen Bildungspolitik zu gelangen, ist es unerlässlich, sich die auch historisch-gesellschaftliche Dimension bzw. die Zielsetzung des Neoliberalismus vor Augen zu führen: Arbeitet er doch mit aggressiver Konsequenz daran, „die Aufklärung, und auch den Reformismus als eine ihrer bescheidenen Äußerungen, aus der Welt zu schaffen – nicht nur materiell, sondern auch als Idee. … Dieser Verlust des historischen Gedächtnisses der Gesellschaft muss verhindert werden. Es ist wichtig, sich (wieder) der Geschichte zu bemächtigen und auch der Theorie, die sie hervorgebracht hat.“ (Schui / Blankenburg).
Wie zur Illustration dieser Einschätzung wurde 2013 seitens des Justitiariats der Universität zu Köln in einem Gutachten gegen die Zulässigkeit einer (dann 2015 vom Senat beschlossenen) Zivilklausel in der Grundordnung der Universität in bemerkenswerter Offenheit argumentiert: „… Es gibt Hinweise von Historikern und Politologen, dass die Begriffe ‚Völkerverständigung‘ und ‚Humanisierung der Lebensverhältnisse‘ … nicht politisch neutral sind. … Ähnliches gilt für ein Bekenntnis zur Aufklärung.“ (AK Zivilklausel der Uni Köln)
„Bildungsfragen sind Machtfragen“. Deshalb greifen bildungspolitische und erziehungswissenschaftliche Analysen und Veränderungsstrategien ohne eine Berücksichtigung von Kategorien wie Interesse, (Un-) Gleichheit und Kapital(macht) in ihrem jeweiligen strukturellen, ökonomischen und historischen Kontext zu kurz.
Zum Verständnis der historischen Genese und der ökonomischen wie politischen Hintergründe der heutigen Situation und Strukturen sind auf dieser AK:BE-Website – neben der Information über aktuelle Termine – Projekte, Texte und Veranstaltungen aus mittlerweile 15 Jahren dokumentiert. Sie richten sich gegen die neoliberale Erzählung von der Überlegenheit der Marktorientierung und die damit einhergehende strategische Zerstörung der Erinnerungskultur. Gegen diese Ökonomisierung und Privatisierung, Diskreditierung und Enteignung gesellschaftlich erkämpfter Errungenschaften zielt die laufende Sammlung und öffentliche Verfügbarkeit dieser Materialien auf ein demokratisch verfasstes, öffentlich ausreichend finanziertes, dem Gemeinwohl und zivilgesellschaftlichen Optionen verpflichtetes Bildungssystem.
„Kein Schutz des Vergessens“ (Bourdieu). In Zeiten von X (früher Twitter) und anderen Kurzformen der Kommunikation und des Infotainments des medialen Mainstreams, die im Internetslang in dem Kürzel Tl;dr (Too long; didn‘t read) ihren Ausdruck finden, halten wir diese Langzeitdokumentation und Hintergrundinformation auch durch längere analytische Texte gegen das „Primat der (vordergründigen und tagesaktuell wechselnden) Sichtbarkeit“ und der „strukturellen Amnesie“, die sich derzeit exemplarisch bei der (fehlenden pädagogischen und politischen) Debatte um die „digitale Offensive“ der IT-Wirtschaft im Bildungswesen zeigt, für wichtig und notwendig, denn „der Erinnerungsverlust der Menschen ist bedeutsam für die Stabilität eines Herrschaftssystems“ (Negt/Kluge). J. M.
Quellen:
Herbert Schui/Stephanie Blankenburg. Neoliberalismus:Theorie, Gegner, Praxis.Hamburg 2002, S. 10
Zivilklausel vom Senat vorerst abgelehnt. Flyer des AK Zivilklausel der Uni Köln. 2013
Pierre Bourdieu. Fernsehen, Journalismus und Politik. In ders. Gegenfeuer. Konstanz 1998, S.82; Oskar Negt / Alexander Kluge. Maßverhältnisse des Politischen. Ffm. 1993, S.87